Über Aufnehmen und Loslassen, und den Rhythmus, der daraus entsteht
Die Luft wird klarer, das Licht goldener, die Natur beginnt, Blatt für Blatt und Farbe für Farbe loszulassen. Der Herbst zeigt die große Kunst des Loslassens. Die Metall-Energie ist jetzt voll da.
Der Grundrhythmus: Aufnehmen und Loslassen
Im August hast du innegehalten, zurückgeschaut, gewürdigt, was war. Jetzt, im September, wird die Metall-Energie noch deutlicher spürbar. Sie zeigt sich in einem Rhythmus, den du kennst, auch wenn du ihm selten bewusst nachspürst: Aufnehmen und Abgeben.
Jeder Atemzug ist dieses Prinzip in Reinform. Du atmest ein – du nimmst auf. Du atmest aus – du lässt los. Keines von beidem funktioniert dauerhaft ohne das andere. Wer nur einatmet, erstickt. Wer nur ausatmet, auch.
Dieser Rhythmus ist die Grundlage des Lebens. Dein Herzschlag wird bestimmt von genau diesem Muster: Anspannung und Entspannung, Zusammenziehen und Loslassen, immer wieder. Deine Verdauung folgt demselben Prinzip: aufnehmen, was nährt – abgeben, was nicht mehr gebraucht wird. Dein ganzer Körper ist auf diesen Wechsel gebaut. Der verlässliche Wechsel ist Rhythmus, er selbst schafft Struktur.
Und was für deinen Körper gilt, gilt auch für dein Leben. Ein Tag hat seine Zeit zum Wachsein und seine Zeit zum Schlafen. Eine Jahreszeit hat ihre Zeit zu wachsen und ihre Zeit, sich zurückzuziehen. Auch Beziehungen, Gewohnheiten, Aufgaben haben ihre Zeit. Nichts ist dafür gemacht, für immer zu bleiben, wie es einmal war.
Was Loslassen voraussetzt
Loslassen wird oft so verstanden, als ginge es nur ums Weggeben, Aufräumen, Reduzieren. Aber Loslassen setzt etwas anderes voraus, das zuerst da sein muss: zu wissen, was wirklich wichtig ist. Was bleiben darf. Was Wertschätzung und Respekt verdient, gerade weil es dir wirklich guttut, weil es Substanz hat, weil es dich trägt. Deine Metall-Energie unterstützt dich dabei, das Wesentliche vom Überflüssigen zu unterscheiden.
Erst wenn du das klarer siehst, bekommt Loslassen eine andere Qualität. Es wird nicht immer leicht, aber eindeutiger. Du lässt nicht irgendetwas gehen, aus Prinzip oder aus Erschöpfung. Du lässt das gehen, was seine Zeit gehabt hat und hältst bewusst fest, was seine Zeit noch nicht verloren hat. Das können Dinge sein, die sich in deiner Wohnung stapeln. Es können aber auch genauso gut Gewohnheiten, Beziehungen oder alte Überzeugungen sein, die heute nicht mehr zu dir passen. Die Unterscheidung braucht Ehrlichkeit und manchmal auch ein wenig Mut von dir.
Aki no Higan - Die Brücke zum anderen Ufer
Aki no Higan, die sieben Tage rund um die Herbst-Tagundnachtgleiche, ist im japanischen Buddhismus eine Zeit der Besinnung und des Übergangs. Der Atem wird zur Brücke: Beim Einatmen kommst du an, beim Ausatmen lässt du los. Higan bedeutet „das andere Ufer", das Ufer der Klarheit, jenseits von Zuvielem und Zerstreuung.
Was darf jetzt gehen, damit in dir Raum entsteht für das, was wirklich zählt? Und was verdient es, bewusst gehalten zu werden? Das ist keine einmalige Frage. Es ist eine, die du dir in dieser Jahreszeit immer wieder stellen darfst, beim Aufräumen einer Schublade, eines Schranks ebenso wie beim Klären einer Beziehung.
Mein besonderer Tipp für den September
Nimm bewusst deinen Atemrhythmus wahr, atme ein und führe dabei deine Arme seitlich am Rumpf nach oben über den Kopf. Lege die Handflächen über dem Kopf aneinander und führe beim Ausatmen die Hände vor deinem Körper in der Gebetshaltung abwärts.
Beobachte für ein paar Tage bewusst deinen eigenen Rhythmus aus Aufnehmen und Abgeben im Atem, im Tagesablauf, in dem, was du festhältst und was du gehen lässt. Wo ist dieser Rhythmus in dir im Gleichgewicht? Und wo hältst du fest, obwohl längst Zeit wäre, loszulassen?
Schreibe dazu gerne einen Kommentar.
Ich bin Renate Köchling-Dietrich und du bist bei mir richtig, wenn du dich spüren, gesund und lebendig fühlen möchtest. Ich unterstütze dich mit dem Wissen der traditionellen japanischen Medizin und um den Ki-Fluss dabei, die Signale deines Körpers zu erkennen, zu verstehen und deinen Bedürfnissen gemäß zu leben. Seit zwei Jahrzehnten unterrichte ich dieses Wissen und vor allem seine praktische Umsetzung und das Erleben.
Im Blog findest du dieses althergebrachte Wissen und Erklärungen über die Zusammenhänge. Dabei geht es immer um das Thema Spüren. Denn nur wenn du dich spürst, kannst du deinem Körper vertrauen und ganz bei dir sein.
