Über offene Herzen und Menschen, die leuchten ohne auszubrennen
Der Sommer ist auf seinem Höhepunkt. Die Feuerenergie, die sich zuletzt im Juni so laut und üppig gezeigt hat – nach außen drängend, begeistert, gesellig – wechselt jetzt ihre Qualität. Sie wird tiefer. Stiller. Glut statt Flamme.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl: Die großen Sommerfeste verlieren ihren Reiz. Stattdessen werden ein stiller Abend auf der Terrasse oder ein gutes Gespräch kostbarer als ein Feuerwerk. Ich merke das jedes Jahr an mir selbst. Während ich im Juni am liebsten draußen mit Menschen zusammen bin, sehne ich mich im Juli wieder öfter nach stilleren Stunden im Garten oder auf dem Balkon.
In der traditionellen japanischen Medizin ist das der Yin-Aspekt des Feuers. Jener ruhigeren Qualität, die weniger nach außen strahlt und mehr nach innen wärmt. Weniger Ausbreitung nach außen, mehr Ankommen bei sich. Darin liegt eine Einladung, die ich besonders schön finde.
Tanabata - das Fest der Wünsche aus tiefstem Herzen
Am 7. Juli wird in Japan Tanabata gefeiert, ein Fest der Wünsche. Viele Menschen schreiben ihre tiefsten Herzenswünsche auf kleine Papierstreifen und hängen sie an Bambuszweige. Mich berührt daran die Frage, die dahintersteht: Wann hast du dich zuletzt gefragt, was dein Herz sich eigentlich wünscht? Was macht dich lebendig?
Diese Fragen kommen aus der Tiefe des Herzens. Und sie verdienen Nachdenken in einem ruhigen Moment. Eine Übung, die ich im Juli besonders empfehle: Halte zwischendurch kurz inne, um zu spüren, was dich trägt, was dich berührt, wo echter Kontakt entsteht.
Vielleicht kennst du die Antwort nicht sofort. Aber allein die Frage verändert schon etwas. Wer weiß, was sein Herz sich wünscht, bleibt leichter mit sich selbst und anderen in Verbindung. Du hast Kontakt mit dem, was dir wirklich wichtig ist.
Was Menschen lebendig hält
Du freust dich auf Begegnungen. Du kannst lachen. Du fühlst dich verbunden mit dir selbst und anderen. Es gibt etwas, das es dir leicht macht, morgens aufzustehen.
Wenn die Feuer-Energie erschöpft ist, spürst du auch das. Nur erkennst du es oft nicht als das, was es ist.
Woran du einen Mangel an Feuer-Energie erkennst
Kennst du Menschen, die sichtbar alt sind und gleichzeitig jung wirken? Sie sehen nicht aus wie dreißig. Aber sie wirken jung, weil in ihren Augen noch etwas leuchtet. Weil sie Anteil nehmen, sich berühren lassen und staunen. Weil sie sich für etwas begeistern, Pläne machen, Interessen pflegen, die wirklich aus dem Herzen kommen.
Bei solchen Menschen spürt man: Da liegt noch etwas vor ihnen. Sie brennen noch für etwas. Sie freuen sich auf das, was jeder Tag ihnen bringen kann. Was diese Menschen verbindet, ist der gute Kontakt zu sich selbst. Sie kennen ihre Herzenswünsche und spüren, was ihnen wichtig ist.
Ihre Feuer-Energie brennt nicht mehr hell-lodernd, aber mit warmer Glut. Vielleicht wird genau das mit den Jahren zur eigentlichen Kunst: Die innere Glut lebendig zu halten, nicht auszubrennen, dabei immer wieder bei sich bleiben.
Die Verbindung zu dir selbst bewahren und das Herz offenhalten - auch wenn es schwer fällt
Mit dir selbst in Verbindung zu bleiben, deine Herzenswünsche ernst zu nehmen und nicht alles ungefiltert an dich heranzulassen, darin liegt die besondere Qualität des Yin-Feuers. Gerade deshalb ist es in einer Zeit voller Nachrichten, Unsicherheit und Reizüberflutung nicht selbstverständlich, das Herz offen zu halten. In der traditionellen japanischen Medizin übernimmt der Perikardmeridian die Aufgabe, das Herz zu schützen und das Gefühlsleben harmonisch zu gestalten. Er hilft dir zu erkennen: Was schenkt mir Freude?
Mein besonderer Tipp für den Juli
Nimm dir einmal täglich zwei Minuten: Lege die Hände locker in den Schoß und halte mit dem Daumen sanft die Mitte deiner Handfläche (Perikard 8). Atme ruhig. Spüre die Wärme. Halte den Punkt in jeder Hand eine Minute lang und beobachte, ob sich etwas zeigt.
Dieser Punkt wird genutzt, um innere Unruhe zu besänftigen, Nervosität zu lösen und dich in Kontakt mit deiner eigenen Herzwärme zu bringen.
Und dann: Lache. Das meine ich wörtlich. Vielleicht gibt es heute jemanden, mit dem du herzlich lachen kannst. Oder wenigstens über dich selbst. Das Feuer liebt dieses leichte, warme Lachen. Es erinnert dich daran, dass Lebendigkeit nichts Lautes sein muss. Und vielleicht ist das genau das Geheimnis eines lebendigen Feuers: Es wärmt. Es leuchtet. Und gerade deshalb muss es nicht laut sein.
Ich bin Renate Köchling-Dietrich und du bist bei mir richtig, wenn du dich spüren, gesund und lebendig fühlen möchtest. Ich unterstütze dich mit dem Wissen der traditionellen japanischen Medizin und um den Ki-Fluss dabei, die Signale deines Körpers zu erkennen, zu verstehen und deinen Bedürfnissen gemäß zu leben. Seit zwei Jahrzehnten unterrichte ich dieses Wissen und vor allem seine praktische Umsetzung und das Erleben.
Im Blog findest du dieses althergebrachte Wissen und Erklärungen über die Zusammenhänge. Dabei geht es immer um das Thema Spüren. Denn nur wenn du dich spürst, kannst du deinem Körper vertrauen und ganz bei dir sein.
